Was ist Taktzeit?

Was ist Taktzeit?

Die Taktzeit gibt die Geschwindigkeit an, in der ein Produkt gefertigt werden muss, um den Kundenbedarf zu befriedigen; dabei handelt es sich konkret um die Zeit, die zwischen der Arbeitsaufnahme an zwei aufeinander folgenden Produkten vergeht.

Lean-Unternehmen verwenden die Kennzahl, um die Geschwindigkeit von Fertigungslinien festzulegen und Just-in-Time-(JIT)-Prozesse zu definieren, um die Kundennachfrage perfekt zu befriedigen und einen kontinuierlichen Arbeitsfluss durch das System aufrechtzuerhalten.

Wie wird die Taktzeit bestimmt?

Da die Taktzeit die gesamte verfügbare Arbeitszeit geteilt durch die Anzahl der von einem Kunden nachgefragten Einheiten ist, ist es nicht schwer, ihren Wert zu bestimmen, vorausgesetzt, Sie verfügen über die richtigen Daten.

Schritt 1: Informationen über die verfügbare Arbeitszeit sammeln

Die Formel kann auf der verfügbaren Zeit pro Tag, pro Stunde, pro Woche usw. basieren, je nachdem, was für Ihren Prozess am besten geeignet ist. Erfahren Sie, wie viele Arbeitsstunden in die Arbeitszeit eingerechnet werden.

Schritt 2: Daten über die nachgefragte Anzahl von Einheiten ermitteln

Unabhängig davon, ob Ihre Kunden wiederkehrende Aufträge haben oder bei jeder Wiederholung eine unterschiedliche Stückzahl bestellen, müssen Sie den genauen Gesamtwert im Voraus kennen.

Schritt 3: Beide Zahlen dividieren

Schließlich dividieren Sie den Wert der verfügbaren Arbeitszeit durch die Anzahl der vom Kunden angeforderten Einheiten. Das Ergebnis ist der Takt, in dem die Einheit produziert werden müssen, d. h. die Zeitspanne, die zur Verfügung steht, um die Einheit plangerecht zu fertigen

Beispiel

Aktivität Tagesmenge
Gesamtarbeitszeit 8 Std.
Mittagspause 0,5 Stunden
Wartung 1 Std.
Geforderte Einheiten 10

Die verfügbare Zeit wird berechnet als
8 x 60 Minuten = 480 Minuten, abzüglich der 30 Minuten Pause und dann 60 Ausfallzeit.
Dies ergibt 390 Minuten insgesamt zur Verfügung stehende Arbeitszeit.
Die Taktzeit beträgt folglich 390/10, was bedeutet, dass alle 39 Minuten eine Einheit produziert werden muss, damit der Prozess die Kundennachfrage erfüllen kann.

Taktzeit vs. Zykluszeit vs. Vorlaufzeit

Die Zykluszeit (Cycle Time) beschreibt, wie lange es dauert, eine Einheit eines Produkts von Anfang bis Ende zu produzieren – sie betrifft nur die aktive Arbeitszeit. Die Taktzeit (takt time) gibt an, wie schnell der Kunde das Produkt nachfrage. Es gibt die Zeitspanne an, in der die Lieferung des nächsten Produkts abgeschlossen sein muss, um dessen Nachfrage zu befriedigen. Die Vorlaufzeit (Lead Time) ist die Zeit, die zwischen der Auftragserteilung des Kunden und dem Erhalt der Ware oder Dienstleistung vergeht; Produktionswarteschlangen, Nacharbeit und Transport eingeschlossen.

Man kann es sich so vorstellen: Die Zykluszeit misst das Angebot, während die Taktzeit die Nachfrage beschreibt, und die Vorlaufzeit befasst sich mit dem internen Fluss und der Prozesseffizienz.

Warum sollten Sie die Taktzeit bestimmen?

Da die Taktzeit davon abhängt, wie oft und in welchem Umfang Ihr Kunde ein Produkt nachfragt, können Sie durch ihre Berechnung die Geschwindigkeit ermitteln, mit der Sie arbeiten müssen, um den Kunden zufriedenzustellen. Produziert Ihre Fertigung zu langsam, wechselt der Kunde möglicherweise irgendwann den Lieferanten bzw. Dienstleister. Wird zu viel oder zu schnell produziert, erhöht sich Ihr Lagerbestand, was zu einer vermehrten Verschwendung und – damit verbunden – zu einer Verringerung des Gewinns führt.

Ferner gibt die Taktzeit Managern und Mitarbeitern einen Anhaltspunkt über den Produktionsfortschritt, da sie so mühelos erkennen können, ob sie dem geforderten Produktionstempo voraus sind oder hinterherhinken.

Die Taktzeit sollte ähnlich oder knapp über der Durchlaufzeit liegen, die misst, wie lange es dauert, einen Artikel zu produzieren (während die Taktzeit angibt, wie lange es dauern sollte).

Was können Sie tun, um die Taktzeit eines Prozesses besser einzuhalten?

Es gibt ein paar Methoden, um den Prozess näher an das Erreichen der von Ihnen ermittelten Taktzeit anzugleichen:

Legen Sie Ihren Wertstrom fest und optimieren Sie die Prozesse

Analysieren Sie Ihren Wertstrom und versuchen Sie, Wege zur Beseitigung von Verschwendung und zur Optimierung von Maßnahmen zu finden, um sich der Taktzeit anzunähern. Das Einfügen der Taktzeit in jeden Schritt des Wertstroms ist für alle Beteiligten ein guter erster Indikator, um das Ziel zu kennen, auf das sie hinarbeiten.

Eine 5S-Initiative durchführen

Der Einsatz von 5S reduziert oft die Zykluszeit und erhöht den Durchsatz, wodurch es Ihnen möglich ist, die Taktzeit besser einzuhalten.

Heijunka durchführen

Oft stellt die Taktzeit eine Herausforderung dar, da sie von Auftrag zu Auftrag variieren kann. Sobald Ihre Prozesse optimiert und Sie mit der 5S-Initiative auf dem Weg sind, wäre es vorteilhaft, die Einführung von Heijunka in Betracht zu ziehen, um sicherzustellen, dass die Kunden gleichmäßiger bestellen, was wiederum dazu beiträgt, dass Ihre Produktion ebenfalls auf dem gleichen Niveau bleibt. Die Taktzeit ist eine hervorragende Kennzahl, um den Reifegrad von Heijunka in Ihrer Einrichtung zu messen, da sie sich strikt auf Kundenaufträge bezieht.

Die direkte Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Ihrem Kunden hilft Ihnen, die Taktzeit besser zu verstehen, und erleichtert es Ihnen somit, Ihren Prozess darauf abzustimmen.

Flexibilität des Produktionsprozesses erhöhen

Wenn die Prozesse optimiert sind, bleibt als weiterer Faktor die Erhöhung der Agilität in Ihrer Produktion, damit Sie sich Taktzeitschwankungen schneller anpassen können. Dies kann z. B. die Einführung flexibler Arbeitszeitregelungen bedeuten (d. h. die Verlagerung interner Arbeitskräfte auf Abruf oder der Einsatz externer Zeitarbeitskräfte) – alles, um die Produktion perfekt auf die sich ändernde Taktzeit abzustimmen.

Achten Sie aber darauf, dass Sie diese Maßnahmen nur durchführen, wenn dies nötig ist, denn eine Erhöhung der Mitarbeiteranzahl und der Ausrüstung in einem ineffizienten Prozess verschlechtert die Lage oft noch zusätzlich.

Die wichtigsten Vorteile der Bestimmung und Anpassung der Taktzeit des Kunden

Durch Ihre Arbeit an der Aufrechterhaltung der bestmöglichen Abstimmung zwischen Ihrer Produktion und der erforderlichen Taktzeit gewährleisten Sie:

  • Optimierung Ihres Prozessflusses und Reduzierung von Ausfallzeiten durch schnellere Identifizierung von Engpässen und Minderleistung
  • Rechtzeitige, berechenbare und zuverlässige Kundenbelieferung
  • Minimierung von Überbeständen